Digitalisierung ist jetzt!

Gibt es eine Berufsorientierung 4.0, wenn doch die Arbeitswelt 4.0 bereits Realität zu sein scheint? Die Chancen und Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 für die Berufsorientierung und Berufsberatung standen im Mittelpunkt des grenzüberschreitenden Seminars im Rahmen des EU-Projektes BRÜCKENBAU.

In vielen Berufsbereichen folgt die Digitalisierung der seit langem fortschreitenden Automatisierung. Die Virtualisierung als mögliche nächste Entwicklungsstufe steht für manche Branche bereits vor der Tür. Klar ist, dass bestimmte Berufsbilder von der Digitalisierung bedroht sein werden, aber möglichweise im geringeren Maße als es scheint. Gerade die Berufe mit sozialem Dienstleistungscharakter haben weiter Zukunftspotential. Allerdings werden diese Berufe sicher noch viel stärker von digitalen Möglichkeiten profitieren.

Wolfgang Bliem ist Referent beim österreichischen Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft. In vielen Studien und Veröffentlichungen hat er sich mit der Veränderung der Arbeitswelt und der Auswirkungen auf die berufliche Orientierung und Beratung beschäftigt. Teilnehmer des ganztägigen Seminars mit Wolfgang Bliem waren die Bildungs- und Berufsberater des BIFO Institutes Vorarlberg sowie die Karrierebegleiter der am Projekt teilnehmenden Schulen im Landkreis Ravensburg. Für die Teilnehmer sind die Herausforderungen der Veränderung der Arbeitswelt im Beratungsalltag heute schon spürbar. Welche Berufe verändern sich wie? Welche Kompetenzen sind gefragt? Wie kann ich digitale Möglichkeiten nutzen, um mich zu orientieren? Wie stelle ich mich in Onlineprofilen dar? Aber auch: Wie nehme ich als Berater Kontakt zu den jungen Menschen auf? Welche Formen der Kommunikation sind geeignet? Wie digital will ich in der Beratung sein? Solche Fragen gemeinsam zu diskutieren und auf den eigenen Beratungsalltag zu übersetzen war das Ziel dieses Seminares.

Irgendwie beruhigend und doch weiterhin herausfordernd war die gemeinsame Feststellung, dass die digitale Evolution zwar technisch-digitales Know How für Berater wie für die jungen Menschen erfordert. Vorrangig aber bleiben wohl die erforderlichen sozialen Kompetenzen, etwa die Teamfähigkeit oder Kundenorientierung. Weiterhin sind persönliche Kompetenzen wie Kritikfähigkeit, Selbstmanagement oder Entscheidungsfähigkeit gefragt. Mit methodischen Kompetenzen, z.B. der Fähigkeit, in Prozessen zu denken oder Wissen zu managen wird man künftig weiterhin erfolgreicher sein. Und doch: Ohne digitale Kompetenzen (Datenmanagement, Social Media Anwendungen, Digitale Inhalte erstellen, Virtuelle Kommunikation u.a.) wird es künftig schwer werden, beruflich erfolgreich zu sein.

Die Berufliche Orientierung der Zukunft wird sich verändern müssen und dabei digitale Möglichkeiten erschließen oder ausbauen. Die Arbeitswelt lässt sich künftig besser bereits in der Schule abbilden (Virtuelle Realitäten…), Anlassbezogene Lernmöglichkeiten lassen sich in der Schule und in der Ausbildung leichter und unmittelbarer, also direkt zum Lernanlass passend nutzen. Netzwerke und Blended Learning verknüpfen Inhalte und Menschen noch besser miteinander. Wenn dann noch die bei jungen Menschen am häufigsten gewählten digitalen Formen wie z.B. Videos oder social media sinnvoll und interaktiv zum Einsatz kommen und diese nicht nur konsumierend, sondern v.a. gestaltend eingesetzt werden, dann ist die berufliche Orientierung zukunftsfähig.

Die Anregungen für die Beratung und Begleitung an der Schule und in der Berufsorientierung waren umfänglich und praxisnah. Die unmittelbare Betroffenheit sowieso.

(Erstellt am 14. Mai 2018)